Update 15.07.2017 :

Ein deutlich geänderte Meinung zu diesem Objektiv habe ich einige Monate später hier gepostet (English only).  A significantly changed opinion on this lens I have posted here some months later.

———-

Ich habe mich schon gefragt, ob ich über etwas schreiben möchte, was ich einfach nicht mag. Zumal ich mich oft auch über sogenannte Reviews im Netz ärgere, die irgendwelche Pixelpeeper manchmal verzapfen, ohne dass man Sinn und Verstand darin erkennen könnte und zudem kein einziges echtes Foto auf der Webseite dieser Personen findet. Also ein Foto NICHT von einer Ziegelmauer oder einem Testchart. Die Alternative zum Schreiben dieses Reviews wäre ja auch einfach: Objektiv verkaufen, Objektiv vergessen und sich an den vielen guten Dingen erfreuen. Einfach ja, aber irgendwie nicht ehrlich… also ein paar eher wenige Worte dazu. Zum echten Einsatz mit wirklichen Fotos ist es gar nicht gekommen… und muss es auch nicht für mich.

Ich hätte das Fujinon XF18 F2 wirklich gerne gemocht. Sogar sehr gerne! Es ist in dreierlei Hinsicht einfach nahezu perfekt für mich: Brennweite, Lichtstärke und vor allem Größe/Form begeistern mich völlig. Ich suche aktuell noch nach der endgültigen Ausrüstung, die ich für mein Fotoprojekt in Europa im Frühjahr 2017 mitnehmen möchte. Und diese soll klar in der Auswahl der Objektive begrenzt sein. Vor allem auch gewichtsmäßig möchte ich mich hier deutlich reduzieren… und vielleicht eben nicht das sonst grandiose XF16 mitnehmen. So wie es aktuell aussieht, komme ich da aber nicht drumherum und es wird neben dem XF35F2 wohl einen der wenigen freien Plätze im Rucksack bekommen. Neben der X100s (oder gar f?), versteht sich. 😉

xf18_001

Ich hätte es also gerne gemocht… einzig, ich kann es nicht wirklich mögen, fällt es doch in mancher Hinsicht zu deutlich von dem ab, was ich erwarte, was mir Spaß macht und für das Fujifilm auch steht und mit anderen Objektiven eindrucksvoll bewiesen hat. Was stört mich also daran?

Ich wusste ja, dass es als eines der ersten Objektive der Serie noch nicht diese mechanische Perfektion hat, wie einige der neuen Objektive (XF23F2, XF35F2, XF90F2, etc.) sie aufweisen. Das fängt beim Blendenring an (etwas schwergängig, etwas knarzend und wenig griffig gestaltet), geht über die schnatternden Blendenlamellen weiter und hört beim Autofokus auf. Dieser ist zwar durchaus recht flott, aber doch ziemlich laut (was in ruhigen Umgebungen zumindest mich wirklich stört) und vor allem so hektisch ratternd. Durch das schnelle Pumpen der ganzen Linsengruppe zittert das Objektiv regelrecht beim Scharfstellen. Alles nicht so mein Ding, aber das war ja mehr oder minder zumindest vorher bekannt.

Das dadurch bereits etwas getrübte Gesamtbild wird von der optischen Leistung leider nicht zum Guten verändert. Diese ist, was soll ich sagen?… OK, aber alles in allem doch mittelmäßig. Dabei stören mich weder die wirklich recht schwachen Ränder und Ecken (unscharfe Ecken hat das XF35F2 auch, was soll’s?), sondern wesentlich mehr das schon nicht sooooo tolle Zentrum bei Offenblende. Ganz in der Mitte kann man gut mit leben, aber schon ein bisschen abseits der absoluten Mitte bekommt man das Bild – bei genauerem Hinsehen – nie wirklich ganz scharf. Ansonsten großartige Fotografien werden dadurch nicht unbedingt verhindert (was viele Fotograf*innen mit diesem Objektiv ja auch bereits bewiesen haben), aber ein uneingeschränkt vertrauensvoller Eindruck entsteht für mich dennoch nicht. Ich bin zwar ein durchaus großer Anhänger von HCBs oft zitiertem Satz zum Thema, wonach Schärfe nur ein kleinbürgerliches Konzept sei, aber ich würde doch gerne selbst entscheiden, wie kleinbürgerlich ich in der jeweiligen Stimmung so bin. 😉

Speziell bei größeren Drucken dürfte man also schon eher mal denken: na ja, nett… aber hätte ich doch vielleicht lieber das 16er benutzt. Ich bin super gerne bereit, Kompromisse à la XF35F2 einzugehen. Die kleinen Makel dort (digitale Verzeichnungskorrektur und dadurch auch miese äußere Bildecken) sind mir völlig egal. Das Gesamtbild des Objektivs ist dagegen schlichtweg eine Sensation! Hier liegen die Dinge leider anders… und dabei vergesse ich sogar die gut sichtbaren CAs mal ganz.

Wer aber beispielsweise viel Street fotografiert, womöglich bei Blende 8 und Zonenfokussierung, wird damit natürlich Null Probleme haben. Bei Instagram oder auch sonst auf Webseiten hat das auch keinerlei Bedeutung. Man kann natürlich damit fotografieren, schließlich ist das ein Objektiv aus dem 21 Jahrhundert. Aber ein besonderes “Oha-Erlebnis” sollte man nicht erwarten, sonst könnte man schon mal enttäuscht werden… so enttäuscht, dass ich es trotz der wundervollen Kompaktheit nicht behalten werde. Ich würde mich einfach zu oft ärgern darüber… schade, Fujifilm.

Fazit

Es ist einfach nicht meins! Ich weiß, dass auch dieses Objektiv durchaus seine Freunde hat und das ist auch absolut OK so. Jeder wird dafür so seine Gründe haben und zum Teil (Größe und Unauffälligkeit) verstehe ich das sogar sehr gut. Im Gegensatz zu vielen anderen der Fujinon Objektive fehlt mir hier aber das inspirierende – und auch haptisch tolle – Gefühl bei seiner Nutzung und zumindest zum Teil die Freude beim Betrachten der Bilder nachher. Bei einer Neuauflage (die neue WR-Serie mit F2 ist so gut!) mit leisem AF und etwas besserer Bildqualität wäre ich sofort einer der ersten Käufer. So aber leider nicht… zumal der Neupreis hier nicht der gebotenen Leistung entspricht.

P.S.
Falls ich, was ich nicht unbedingt glaube, einfach nur eine schlechte Kopie erwischt haben sollte (dezentriert scheint es aber nicht zu sein, es wird bei Abblendung gleichmäßig besser im ganzen Bild), möge man mich bitte vom Gegenteil überzeugen… wobei mich die mechanischen Dinge eh fast mehr gestört haben als die nicht perfekte Optik.

 

  • Klaus

    Tja, als ich mir das Objektiv im Fachgeschäft kaufen wollt, würde mir aus den o.g. Gründen abgeraten. Da ich bereits das 14/2,8er mein eigen nennen konnte, wurde es das 23/2,0er.

  • Thomas Kurek

    So ganz nachvollziehbar finde ich die Kritik nicht, denn seit dem ich die updates für das XF18F2 genutzt habe, ist die Qualität meiner Bilder mit diesem Objektiv wesentlich besser geworden.
    Versuchs noch mal, denn anfangs ging es mir genauso – eigentlich genau das richtige Objektiv, nicht zu schwer, eine gute Brennweite und sehr lichtstark und dann war ich enttäuscht… umso erfreuter nach den updates.
    Es gibt auf meiner Website ein Foto von einem Straßenmusiker vor einem supermarkt, der sein Akkordeon vor dem Regen mit einer primarkplastiktüte stützt – aufgenommen mit dem XF18 F2 (Blende 4, 1/500sec. mit 1600 ASA). Es hängt z.Zt. in der Aussellung in der Uni BRaunschweig auf Din A3 geprintet).
    Grüße t.kurek photographien
    http://www.kurek.info

  • Peter (author)

    Hallo Thomas,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich habe mir daraufhin noch einmal meinen Text durchgelesen und gebe Dir zum Teil recht. Ich hatte in Erinnerung, dass ich meine Abneigung weniger der optischen, sondern vielmehr der mechanischen “Schwächen” wegen kundgetan habe. Jetzt habe ich aber gesehen, dass ich mich ewig lang über die eher mittelmäßige Schärfe ausgelassen habe, was mir eigentlich fast egal ist. Ich habe zwar irgendwo kurz vermerkt, dass ich nicht bezweifle, dass damit großartige Bilder gemacht werden können, aber irgendwie habe ich das insgesamt trotzdem nicht gut geschrieben… Was aber bleibt – und das mag mein persönlicher Spleen sein – ist die Mechanik, mit der ich mich echt nicht anfreunden kann. Das “Gerappel” beim Scharfstellen stört mich echt und den Blendenring finde ich furchtbar. Zu schwergängig und wenig ergonomisch konstruiert. Man kann ihn so schlecht greifen, wenn die Blende offen ist, weil der Teil mit den Beschriftungen ja ohne griffige Lammelen ausgelegt ist. Man mag lachen oder nicht, sowas stört mich wirklich…

    Was mich also wenig begeistert hat, war das Gesamtbild. Ich wurde einfach nicht warm mit dem Objektiv… und bedauere das immer noch etwas, weil ich in einer Woche zu meinem Projekt aufbreche und etwas stirnrunzelnd auf das schwere und große 16er schaue, das ich jetzt mitschleppen werde… 😉

    Vg,
    Peter

  • Pingback: A second try… the Fujinon XF18 F2 – Peter Poete Photography

  • Pingback: With Fujifilm on the road… – Peter Poete Photography

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *