Photo book of the Month

In dieser kleinen Kolumne stelle ich ab und an ein Fotobuch vor, welches mir gerade sehr am Herzen liegt. Dabei handelt es sich nicht – oder nicht zwangsläufig – um eine Neuerscheinung. Es ist einfach ein Buch, welches mir irgendwie in die Hände gefallen ist und das ich Anderen gerne nahelegen möchte.

In this small column, I want to introduce every now and then a photo book, which is just close to my heart. It is not – or not necessarily – a new release. It is simply a book that somehow came into my hands and that I would like to suggest to others.

September 2016 | Giles Duley – Afghanistan, 2012

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Es gibt Bücher, die sind schwer in Worte zu fassen. Dies gilt manchmal besonders für Fotobücher. In diesem Monat bin ich durch Zufall auf ein kleines Buch gestoßen, das es in diesem Sinne ganz besonders in sich hat. Es ist das Buch “Afghanistan, 2012” des britischen Fotographen Giles Duley. Und es ist ein Buch, bei dem es nicht reicht, allein über die Bilder oder die Gestaltung (auch wenn diese sehr interessant ist) zu sprechen. Es geht hier vor allem um das Thema und – man kommt nicht drum herum – auch um die Geschichte dieses Fotografen.

Der ehemalige Musikfotograf Giles Duley begeht im Jahr 2000 neue Wege und wird Dokumentarfotograf. Er widmet sich fortan vor allem den humanitären Aspekten sowie den Folgen von kriegerischen Auseinandersetzungen vor allem auf die Zivilbevölkerung. Er schafft es, sich hier mit seinem Werk eine beachtliche Reputation zu erarbeiten, bis ihn 2011 die Risiken dieses Berufes auf sehr brutale Weise einholen. Während er zusammen mit einer Einheit der US-Streitkäfte in Afghanistan zu Fuß unterwegs ist, tritt er auf eine selbstgebaute Mine und wird dabei sehr schwer verletzt. Es gelingt den Ärzten zwar knapp, sein Leben zu retten, jedoch ist er von nun an dreifach amputiert: er verliert Teile seiner beiden Beine sowie seinen linken Arm.

Bis dahin ist dieses tragische Ereignis – so schrecklich es auch sein mag – leider etwas, das in den durch Kriege gebeutelten Regionen dieser Welt zum Alltag gehört. Doch die Geschichte von Giles Duley ist damit noch lange nicht zu Ende. Noch im Krankenhaus beschließt er, dass er seine Arbeit als Fotograf nicht aufgeben will und kehrt sogar bereits in 2012 nach Afghanistan zurück, wo er die Arbeit der italienischen NGO “Emergency” dokumentiert. Diese Organisation unterhält in Kabul ein Notfall-Krankenhaus für durch den Krieg Schwerverletzte – und zumeist auch Amputierte.

There are books that are difficult to express in words. This applies sometimes especially for photo books. This month I stumbled by chance upon a small book that has a lot to offer in this sense. It is the book ‘Afghanistan, 2012’ by the Britisch photograher Giles Duley. And it is a book where it is not enough just to talk about the pictures or the design (even though it is a very interesting one). What is at stake here is the subject and – there is no getting around that fact – the story of this photographer. 

In 2000 the former music photographer Giles Duley struck out in a new direction and became a documentary photographer. Henceforce he focused on several humanitarian issues and the consequences of wars and armed conflicts on civilians. He managed to gain a formidable reputation with his work until 2011 the risks of his profession have caught him up in a very brutal way. Whilst on foot patrol with a unit of the US armed forces, he stepped on an improvised explosive device and was very seriously injured. The doctors were able to save his live, but for the price of being now a triple amputee: he lost parts of his both legs and his left arm.

Until then, this tragic event – as horrible as it might be – unfortunately has been something which is part of everyday living in those war-torn regions in the world. But this was not the end of Giles’ story, far away from that. While still in the hospital he decided not to give up his work as a photographer and in 2012 he already returned to Afghanistan where he documented the work of the Italian NGO ‘Emergency’. This organization runs an emergency hospital for the severely injured victims of the war – who mostly are amputees as well. 

 

Das Buch gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil erzählt Giles kurz seine Geschichte, aber vor allem beschreibt er seine Rückkehr nach Afghanistan – und die damit verbundenen Gefühle wie auch die Angst. Und er erzählt vom Schicksal einiger Patienten in dem Krankenhaus. Im zweiten Teil sieht man die Bilder, die bei diesem Besuch entstanden sind. Es sind ausschließlich Fotos aus dem Krankenhaus, die in teils schonungsloser Deutlichkeit die Verletzungen zeigen, die die Opfer dieses Krieges erlitten haben. Keine leichte Kost, aber so ist eben die brutale Realität und ich denke, der Fotograf wollte genau dieses auch so dokumentieren.

Neben den eindringlichen Bildern in diesem Buch beeindruckt mich natürlich die Geschichte, vor allem aber die Haltung und der Mut des Fotografen Giles Duley, sehr. Wie viel Kraft muss man haben, um nach solchen Erlebnissen, die ja auch zu wirklich ernsten persönlichen Konsequenzen für sein eigenes Leben geführt haben, zurückzukehren? Und dann auch noch genau diesem Thema in einem Krankenhaus für die Versehrten dieses Krieges direkt ins Gesicht zu schauen! Hier gilt dem Fotografen mein allergrößter Respekt! Auch dafür, den Wahnsinn und das Leid der Betroffenen, die solche idiotischen Kriege in aller Welt verursachen, so schonungslos zu zeigen.

The book is divided into two sections. In the first part Giles shortly tells his story, but above all he describes his return to Afghanistan – including the involved emotions and the fear. And he tells of the fate of some of the patients in the hospital. The second part shows the pictures which have been created during the visit. All pictures are solely made in the hospital and showing us brutally exposed the injuries which have been suffered by the victims of this war. By no means easy stuff, but that’s the brutal reality and I think the photographer wanted to document it straight like this. 

Beside the touching pictures in this book it is for sure the story that impresses me very much, especially the attitude and the courage of the photographer Giles Duley. How much strength does a person need to return to that place after experiencing such a horrible incident with such grave consequences for the own life? And then to face exactly these issues in a hospital for the wounded of this war! I owe my biggest and most sincere respect to this photographer! And I owe him my respect for documenting the insanity and the human suffering of the affected people in those stupid wars all over the world.

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Ich weiß nicht genau, ob es von der ersten Auflage des Buches noch eine Kopie gibt. Da ich erst kürzlich nachgefragt und daraufhin die Nr. 1106/1500 erhalten habe, besteht aber Hoffnung. Einfach unter info@gilesduley.com mal nachfragen. Es sollte so um die 15 £ kosten, plus Versand. Es lohnt sich…

I don’t know exactly if copies of this book’s first edition still are available. The fact that I have asked for it just recently and have got No. 1106/1500 rise to the hope that they are. In case of interest just ask Giles through his email address info@gilesduley.com. It should cost around 15 £ plus shipping. It’s worth it…

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