Eigentlich hielt ich mich früher für relativ frei von der Versuchung der Spielchen mit dem Wechseln einer Marke. Nicht, dass ich mich nicht für (neue) Kameras und Objektive interessiert habe – ganz im Gegenteil. Ich glaube, ich kenne so ziemlich alle Entwicklungen im Bereich Kleinbildfotografie (inkl. der digitalen Nachfolger) seit – sagen wir mal – 1983. Und gewechselt habe ich hier und da ebenfalls, auch wenn für einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren doch nur recht übersichtlich häufig. Ich bin eigentlich meinen Ausrüstungen lange treu geblieben. Auch wenn sich das natürlich im Digitalzeitalter schon etwas geändert hat.

Angefangen habe ich mit einer Praktica MTL5 B, welche ich schon als heranwachsender Jugendlicher zu Weihnachten bekam. Als ich mir dann irgendwann in der Zeit des Zivildienstes “was Richtiges” leisten konnte, habe ich mich dem Olympus OM-System sehr verbunden gefühlt. Dort habe ich es immerhin bis zur OM-4Ti geschafft, einer für die damaligen Verhältnisse wirklich wundervollen Kamera in einem super innovativen System. Als das Ende des Systems nahte, bin ich dann zum Nikon-System (Nikon FM-2 und Nikon FA) gewechselt, welchem ich auch bis 2012 (natürlich mit Umstieg auf Digital) treu geblieben bin. Erst als die Spiegellosen wirklich gut wurden, habe ich dann den Schritt weg von der Nikon D700 hin zur viel kleineren Olympus OM-D E-M5 (immer noch: was für ein Name!) und später zur Nachfolgerin MK II gemacht. Also auch eher ein wirklicher System- als nur ein Markenwechsel… bis vor Kurzem eben. Vor mehr als einem halben Jahr bin ich schrittweise von einem spiegellosen System (Olympus) zu einem anderen (Fujifilm) gewechselt. Und denke immer noch darüber nach, ob das richtig war oder ob nicht doch vielleicht… 😉

Und das hat mich – bei aller kindlicher Freude hier und da – zeitweise doch etwas nachdenklich gemacht… Was eigentlich idiotisch ist, schließlich sollte man sich nicht immer fragen, ob Regen oder Sonne besser ist, sondern einfach das Beste draus machen. 😉

Mir geht es jetzt auch nicht um das berühmte (und mal mehr, mal weniger berechtigte) Bullshit-Bingo. Ja, man kann mit fast allen Kameras hervorragende Bilder machen, ja, es kommt aufs Auge an, und ja, Amateure kümmern sich um ihre Ausrüstung, Künstler ums Licht, etc. pp. Haben wir alle schon mal gehört, danke, setzen! Und natürlich ist davon auch Vieles richtig. Wenn man die ganze Zeit nach dem Neuesten und Besten schielt, vergisst man sicher zum einen schnell, worum es in der Fotografie eigentlich geht (um das Bild) und worum nicht (um das Pixel). Man (mich damit voll eingeschlossen) verbraucht zu viel Zeit und Energie mit dem Recherchieren und dem Denken an die Technik; Zeit und Energie, die man sonstwo (nicht nur, aber auch in die Fotografie) hätte reinstecken können. Und das – vor allem heutzutage – bei einem so hohen Niveau der technischen Perfektion der meisten Kameras, dass ein Vergleich der potentiell möglichen Bildqualität meist eher akademischer Natur ist. Im Wesentlichen hätte ich mit der Olympus alles in den letzten sechs Monaten auch so fotografieren können; und falls nicht ganz genau so, hätte ich Technik und Bild eben minimal angepasst. Punkt. Fotografisch hat sich die Welt nicht wirklich geändert für mich…

… aber doch – so als kleine Entschuldigung und Rechtfertigung für mein Handeln – sind mir ein paar Dinge bei der ganzen Sache aufgefallen. Die müssen nicht auf jede und jeden passen, auf mich offensichtlich schon. Mein Entschluss zum Wechseln war nur sehr bedingt technisch motiviert, zumal ich Olympus alles in allem nach wie vor sogar innovativer finde. Und würde es die X-Pro2 nicht geben, hätte ich bis heute keinen (ernsten) Gedanken an eines der anderen Systeme verschwendet. Aber mich interessieren nunmal weniger Megapixel, Videogedöns und Super-Zoom-Tele-haste-nich-gesehen als vielmehr eine solide Kamera mit für mich perfekter Bedienung und viel Seele. Ja, Seele… ich bin einer dieser Spinner, der daran glaubt, davon inspiriert zu werden, wenn er eine Kamera gerne in die Hand nimmt und gerne damit fotografiert. Neulich erzählte mir meine Lebensgefährtin von einem Musiker, der 15 Gitarren über seinem Bett hängen hat und diese nach seinem jeweiligen Gefühl aussucht. OK, 15 Kameras habe ich auch heute nicht, aber das mit dem Gefühl kann ich gut nachvollziehen. Und genau hier liegt dann eben doch die kleine Rechtfertigung. Ich hatte – selbst zu analogen Zeiten – noch nie eine Kamera, die sich so gut und so richtig angefühlt hat wie diese. Ähnlich gut wie der Sand unter den Füßen am Strand…

… und das ist einfach das Wesentliche. Das einzige, was hier zählt. Für mich passt es, für mich fühlt es sich richtig an und mir macht es auch Spaß.

Im Endeffekt kann man das ja auf fast alles übertragen… es gibt immer ein vermeintlich besseres Auto, ein größeres Haus, eine coolere Wohnung, ja angeblich selbst einen besseren Grill. Nur: wo hört der Wahnsinn auf? Und schmecken die Würstchen von einem 3000€-Grill wirklich besser oder vielleicht doch eher die von einer billigen Feuerstellen, wenn man sie nur am richtigen Ort und mit den richtigen Leuten teilt? 😉

Also höre ich jetzt einfach auf, weiter darüber nachzudenken, ob das alles so richtig war und genieße einfach die Tatsache, dass ich auch so schon das unglaubliche Privileg habe, mit einer der wundervollsten Kameras wo gibt unterwegs sein zu können… egal ob beim Grillen oder auch am Strand 🙂

  • Kai

    Und ich dachte immer, ich bin alleine mit solchen Gedanken. Schön zu wissen, dass es noch mehr Leute mit diesem “Leid” gibt. 😉

  • admin (author)

    Ne, sicher nicht… und es gibt noch viel schlimmere Leute, was diese Gedanken angeht. Man sollte es nur nicht übertreiben 😉

  • Stefan

    Schöner Post!
    …. und es ist extrem wichtig, das man sein Werkzeug liebt.

  • admin (author)

    Hi Stefan,

    Danke! Dem stimme ich zu… und es ist auch viel wichtiger, als Ausstattungs- oder Leistungsdaten 🙂

    Vg
    Peter

  • Bernd aka DerAlbfotograf

    Ja, ich kann das nachvollziehen wenn gleich ich “nur” 3x insgesamt gewechselt bin … Pentax / Voigtländer / Nikon / Fuji. Ich würde sagen, dass wir als Fotografen schon eine Beziehung zu unserer Ausrüstung haben und solange man sich nicht in einem ständigen Wechsel befindet der Blick über den Zaun und auch ein damit verbundener Wechsel in Ordnung ist. Bei mir hat es mit Nikon einfach nicht mehr gepaßt.

    Beste Grüße, Bernd

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