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Hinweis: Dies ist ein langer Beitrag! Es ist teilweise ein Review, teilweise eine Geschichte – vor allem über meinen Weg zu dieser Kamera. Es empfiehlt sich vielleicht, sich einen Kaffee zu holen… 😉

… tja, wofür steht es denn nun? Ich glaube, die offizielle Erklärung ist soweit bekannt: Es ist einfach die vierte (fourth) Version der X100. Bissl langweilig… denn bei dieser Kamera könnte das F auch stehen für fast (schnell), oder fantastisch, oder feindurchdacht, oder… einfach für fundamentales Update. Aber der Reihe nach…

X100S

Schon sehr kurz nach der offiziellen Ankündigung – und vor allem der Bekanntgabe des Verkaufspreises – erhoben sich im Netz die zwei Lager der üblichen Verdächtigen: Das eine Lager hielt die Kamera für das Nonplusultra, die dritte und nahezu perfekte Reinkarnation der X100 und damit die vielzitierte Kamera, die man auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Das andere Lager wiederum ist hergezogen über den zu hohen Preis, zu wenige Verbesserungen, den zu kleinen Sensor, den fehlenden Wetterschutz, das nicht schwenkbare Display, das (angeblich) schlechte Objektiv, den… muss ich wirklich weiter aufzählen? Ich denke nicht. Aber wer hat nun recht? Manchmal beide… von ihrem jeweiligen Standpunkt aus gesehen, wie so oft. Unnötig zu erwähnen welchem Standpunkt ich folge. 😉

X100S

Der Stammbaum und die Gene

Der nun folgende Text ist kein Review im eigentlichen Sinne, sondern eine Liebeserklärung. Ich habe die Originalversion der X100 besessen und darüber trotz aller Liebe auch oft genug geflucht. Nicht, dass sie schlecht war – weit entfernt davon – aber sie besaß doch auch eine gewisse Exzentrik, was lediglich eine höfliche Umschreibung für “schrullig” ist. Daher bin dann am ersten Tag der Verfügbarkeit in Deutschland auf die X100S umgestiegen. So sehr wollte ich diese Kamera damals haben und so groß waren die Verbesserungen der zweiten Version dann tatsächlich auch. Was auch daran lag, dass Fujifilm zugegebenermaßen bei der ersten Version zwar visionäre Ideen hatte, aber bei der Umsetzung durchaus noch etwas Luft nach oben ließ.

Meine alte X100

Die Kameras waren trotzdem schon immer – spätestens nach den ersten Firmware Updates – bereits voll alltagstauglich und sind es heute mehr denn je. Sie haben mich seither überall hin begleitet… übrigens auch in die staubigsten Wüsten und die feuchtesten Tropen.

Nur mal so erwähnt, und meine X100S funktioniert immer noch, wenn auch mit ein paar “blauen Flecken” übersät… 🙂

Meine X100S

Die X100 – egal welche Version – war noch nie eine Kamera für Jedermann und Jedefrau. In keiner Version wäre sie bei einer (ziemlich sinnlosen) Aufzählung der reinen Ausstattungsmerkmale auf einem der vorderen Plätze gelandet. Nur bei denen, die ihre teils einmaligen Vorzüge erkannten und brauchten – oder zu brauchen meinten – war diese Kamera trotz (oder zum Teil wegen) ihrer Eigenarten und ihres Konzeptes von Anfang an eine kleine Offenbarung. Ja, ein Geniestreich! Als da wären der kompakte Formfaktor, der fantastische Hybridsucher, der Zentralverschluss, der eingebaute ND-Filter,… und nur einige ihrer Eigenschaften zu nennen. Sie ist leise, unaufdringlich und diskret. Wenn man sie auf Menschen richtet – selbstverständlich respektvoll und mit einem Lächeln – dann stört das selten jemanden.

X100

Es ist genau die Art Kamera, die man dabei haben sollte, wenn es darum geht, nah dran und mitten drin zu sein, auch wenn es einem manchmal dabei durchaus ein wenig Überwindung kostet…

Interessanterweise habe ich diese Kamera niemals Freunden oder Bekannten empfohlen, wenn mich jemand nach einem Rat zum Kamerakauf fragte. Und oft wurde dabei mit dem Finger auf die X100 gezeigt und gefragt, warum ich die denn nicht empfehle. Die Antwort ist ganz einfach: Weil es aus meiner Sicht eine Kamera für (erfahrene) Fotografen ist. Für Leute, die genau so etwas wollen. Und die fragen nicht ohne Vorwissen, welche Kamera man denn so empfehlen könne. Für ein wenig Urlaubs- und Familienfotos gibt es zudem tatsächlich bessere und preiswertere Alternativen.

X100

Speziell für die erzählende Dokumentar- und Straßenfotografie kann ich mir jedoch kaum ein besseres Werkzeug vorstellen…

X100S

Die dritte Version der Serie habe ich ausgelassen. Ja, ich habe öfters damit rumgespielt und klar war sie besser, schneller, etc. Aber ein bisschen fehlte mir doch die Rechtfertigung für das Upgrade. Dafür war mir der Schritt der Verbesserungen dann doch nicht groß genug. Im Gegensatz zur F.

Die Neue auf der Straße

Die Hoffnungen und Erwartungen bei der Einführung neuer Modelle oder neuer Versionen sind bekanntlich sehr unterschiedlich. Manche Nutzer wollen eher eine komplette Neukonstruktion, andere möchten das Wesen der Kamera am liebsten unangetastet lassen. Im Falle der X100 wäre aus meiner Sicht ein Neuanfang so sinnlos wie unangebracht, und dies scheint glücklicherweise auch der Hersteller so zu sehen. Jede neue Version der X100 war stets Evolution und nie Revolution. Dies ist auch diesmal wieder der Fall, wobei man sich von den – auf den ersten Blick – wenigen Neuerungen nicht täuschen lassen sollte. Fujifilm hat mit der X100F nämlich Evolution im besten Sinne gespielt und an so vielen Details sinnvolles Feintuning betrieben. Es ist aus meiner Sicht sogar das größte – wenn auch nicht das wichtigste – Update der Produktreihe bisher. Oft wird bei einem Fehlen von spektakulären Neuerungen übersehen, dass kleine evolutionäre Schritte manchmal der eigentliche Fortschritt sein können.

Die Highlights

Die X100F erhielt zunächst einmal den gleichen Sensor und den gleichen Bildprozessor wie das Spitzenduo von Fuji. Der bedeutet: der gleiche Workflow, die gleichen Dateien, eine etwas höhere Auflösung, Acros und dazu für mich noch Classic Chrome (ohne später in den exif rumzupfuschen; ich arbeite ja noch mit der X100S)… ja, allein diese Punkte hätten mir ausgereicht für ein Upgrade! Diese zentrale Bildeinheit ist ja bekannt und aus meiner Sicht wirklich ausgezeichnet. Dies gilt sowohl für die generelle Bildqualität als auch das Rauschverhalten bei hohen Empfindlichkeiten.

Gleich nach dem Auspacken wird eine weitere Veränderung relativ schnell sichtbar: die Energieversorgung. An die Gerüchte bezüglich der Angleichung des Akkus an die übrigen X-Kameras habe ich bis zuletzt nicht geglaubt. Umso erfreulicher, dass dieser Punkt tatsächlich umgesetzt wurde. Da ich mehrere X-Kameras nutze, ist das wirklich eine willkommene kleine Verbesserung – besonders unterwegs.

Mehr als nur willkommen sind für mich dagegen der Joystick und vor allem der deutlich schnellere und empfindlichere Autofokus. Letzterer ist übrigens auch ein Verdienst des neuen Akkus. Ich weiß nicht, ob man damit mehr Bilder machen kann – wahrscheinlich eher nicht. Aber der Wechsel führte eben auch zu einer Erhöhung der Spannung von 3,6V (NP-95) auf 7,2V (WP-126/s) dürfte vor allem das benötigte “Futter” für die höhere Prozessorleistung sein. Ich kam zwar auch mit dem AF der X100S meist klar, aber jetzt sind sich Wunsch und Wirklichkeit endlich begegnet. Ich kann keinen merklichen Unterschied zur X-Pro2 feststellen – ein schnelles Objektiv wie das XF35 F2 natürlich vorausgesetzt. Bei schlechtem Licht ist der AF sogar sagenhaft gut und sicher.

Das vielfach geliebte Sucherkonzept ist natürlich weiterhin mit an Bord. Bloß, dass es jetzt eben alle Eigenschaften der X100T und der X-Pro2 miteinander verschmilzt und damit den bisher besten Hybridsucher aller Fuji-X-Kameras besitzt. Er verfügt im Kern über die gleiche Funktionalität wie jener der X-Pro2 – abgesehen natürlich von den spezifischen Funktionen für unterschiedliche Brennweiten. Er ist jedoch so schön groß wie bisher bei den Kameras der X100-Serie. Das macht wirklich Freude! Vom deutlich verbesserten EVF mal ganz zu schweigen. Dieser ist zwar nicht an der Spitze des heute technisch Machbaren angelangt und auch nicht höher aufgelöst als bei der X100T. Aber die etwas höhere Bildwiederholrate (60fps statt 54fps) kombiniert mit seiner vorteilhaften Größe (Vergrößerung 0,65 statt 0,59 im Vergleich zur X-Pro2) machen ihn wirklich sehr gut. Punkt.

Apropos verschmelzen. Alles in allem gibt es neben dem Sucher in sehr vielen Bereichen eine Angleichung an die X-Pro2. Tastenbelegung, Menü, ISO-Einstellrad, Belichtungskorrekturrad, vorderes Einstellrad,… vieles kommt einem vertraut vor und macht die Bedienung bei wechselnder Benutzung der Kameras wirklich einfacher. In einigen Fällen sind dabei bereits auch Detailverbesserungen eingeflossen, wie z.B. die oft gewünschte Möglichkeit, die Empfindlichkeit auch ohne dieses obere ISO-Einstellrad zu verändern. Man kann jetzt das vordere Einstellrad mit dieser Funktion belegen; eine Wahlmöglichkeit, die ganz sicher bei den nächsten Firmware Updates auch der X-Pro2 spendiert werden wird.

Die Evolution der kleinen Schritte…

Es sind aber nicht nur die größeren technischen Änderungen, die für den Gesamteindruck sorgen. Zumindest für mich sind kleine Details und vor allem auch die Ergonomie bei einer Kamera ganz wesentliche Punkte. Fujifilm hat hier ganze Arbeit geleistet.

Angefangen beim Design und dem haptischen Empfinden – die Kamera fühlt sich jetzt noch stabiler und wertiger an – bis hin zu den Knöpfen und Schaltern wurde hier quasi alles mehr oder minder stark überarbeitet. Dank der Verlegung der Tasten auf die rechte Displayseite ist jetzt eine Einhandbedienung ohne ein Absetzen der Kamera vom Auge – analog zur X-Pro2 – möglich. Die Räder und Tasten sind super zu erreichen, Druckpunkte und Drehwiderstand jeweils perfekt. Das hintere und vordere Einstellrad ist dabei jeweils auch etwas exponierter und griffiger als bei der X-Pro2. Das Rad zur Belichtungskorrektur ist weder zu fest (wie bei der X-T2) noch zu leichtgängig (wie bei der alten X100), sondern genau richtig (wie bei der X-Pro2 auch). Nur den Q-Knopf hätte man wirklich besser platzieren können. Er liegt gut, wenn man ihn nutzen will, allerdings drücke ich immer drauf, wenn ich die Kamera in die Hand nehme. Insgesamt finde ich die Ergonomie aber sehr gut und stimmig.

Hier und da tauchen zudem kleine Neuerungen auf, die man vielleicht nicht sofort erkennt. Im vorderen Wahlschalter für den Suchermodus verbirgt sich nun ein weiterer Knopf mit programmierbarer Funktionsbelegung. Im AF-Modus steuert der Fokusring jetzt wie bei der X70 einen “digitalen Zoom” mit äquivalenten Bildwinkeln wie bei 50mm und 70mm im Kleinbildformat. Dieser funktioniert sogar wirklich überraschend gut und skaliert das Bild mittel einer Art Extrapolation wieder auf 24 Megapixel hoch, leider aber nur im JPEG-Modus. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass dies auch im Modus RAW+JPEG zur Verfügung stünde. So kann ich diese Funktion leider nicht nutzen…

Hat Fujifilm geliefert?

An Enthusiasmus und Vorfreude hat es mir vorher sicher nicht gemangelt. Die Frage war: Würde die Kamera die sehr hohen Erwartungen erfüllen? Als ich die Kamera dann in den Händen hielt und ausprobierte, sind alle ohnehin geringen Zweifel schlagartig verflogen. Alle wesentlichen Funktionen sind schlicht und einfach besser geworden.

Höhere Schnelligkeit? Check! Bessere Bildqualität? Check! Verbesserte Menüführung? Check! Bessere Akkuleistung? Check! Ich will gar nicht viel mehr aufzählen. Über die grundsätzlichen inneren Werte habe ich mich bei den Reviews zu X-Pro2 und X-T2 ohnehin recht ausführlich ausgelassen. Diese Spezifikationen sind jetzt auch in der X100F zu finden, was sehr gut ist. Für mich gibt es jetzt drei Spitzenmodelle, zwei davon als Systemkameras für Wechselobjektive und eine Kompaktkamera mit einem fest verbauten Objektiv.

Auf all das habe ich sehr gehofft. Denn ich habe seit der Einführung der X-Pro2 eigentlich meine sonst so geliebte X100S nicht mehr wirklich benutzt. Das Bessere ist ja bekanntlich der Feind des Guten, und die X-Pro2 ist halt in allem soooo viel besser. Jetzt aber gibt es eine Mini-X-Pro2 ohne Wechselobjektive, dafür aber mit allen anderen Vorteilen und in der Kompaktausführung geben. Ein Traum! Also hatte ich diesen Traum bereits vor der offiziellen Veröffentlichung beim Händler meines Vertrauens bestellt. 😉

Und eine Sache ist auch noch positiv zu erwähnen. Bekanntermaßen verhalten sich einige X-Kameras – besonders die neueren X-T2 und X-Pro2 – bei einem bestimmten Winkel zu sehr hellen Lichtquellen etwas schwierig und produzieren diese violetten Lichtscheine (purple flares). Dies machen zum Teil zwar andere spiegellose Kameras auch, allerdings nicht mit diesen sehr unschönen Gitterartefakten. Ohne daraus ein ernstes Problem zu machen – im realen Fotoleben taucht das Phänomen extrem selten auf und man sieht es zudem bereits im EVF – gibt es hier eine gute Nachricht: Die X100F scheint dieses Verhalten nicht zu zeigen. 🙂

Dies alles basiert natürlich vor allem auf einem Vergleich zur X100S. Der Fortschritt gegenüber der X100T fällt logischerweise etwas geringer aus. Da ich diese aber nie besessen habe, kann ich hier zumindest keinen praxisrelevanten Vergleich anstellen. Aber wie gesagt, allein der großartige Sensor und der richtig gute Autofokus…

Enttäuschungen?

Für mich persönlich gibt es eigentlich keine. Den fehlenden Wetterschutz kann ich bei der X100 recht gut verknusen (siehe oben), das nicht schwenkbare Display ist mir ziemlich egal. Gleiches gilt für das nicht vorhandene Touchdisplay und der fehlende doppelte Kartenslot passt halt nicht mehr rein in diese kleine Kamera. Es gibt konzeptuelle Grenzen und alles geht eben nicht. Punkt.

Das einzig Ärgerliche ist, dass die willkommene Angleichung der Software an die X-Pro2 leider auch dazu geführt hat, dass die beiden wirklich unsinnigen Punkte mit übernommen wurden: die unselige Umsetzung des View-Mode bei ausgeschaltetem Display und die automatische Kopplung des Messwertspeichers an den halb gedrückten Auslöseknopf. Über diese Ärgernisse habe ich mich bereits hier ausgelassen. Vor allem der erste Punkt nervt und war vorher besser gelöst. Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn eines der nächsten Firmware Updates sowohl bei der X-Pro-2 als auch bei der X100F diese Dinge beheben würde!

Die kleine Wunschliste

Wer den Text bisher gelesen hat, ahnt schon, dass diese Liste ausnehmend klein ausfallen wird. Und zumindest die ersten beiden Punkte sind zudem konstruktionsbedingt erstmal auch nicht einfach zu ändern und genereller Natur. Im Kern könnte ich mir aber sehr gut vorstellen, dass diese Kamera mein Eigen bleiben wird, bis sie auseinanderfällt. Die X100S ist jetzt vier Jahre alt und würde ohne die F noch weiter bei mir bleiben…

Wenn man mich also trotzdem fragen würde, hätte ich das nächste Mal gerne noch (neben den oben erwähnten Wünschen für das nächste Firmware Update):

  1. Bildstabilisierung – Ich weiß, aber hier könnte man das Objektiv ja neu konstruieren. Vielleicht wird eine nächste X100 die erste Fujifilm X mit IBIS.
  2. Staub- und Spritzschutz – Wäre immer noch kein Muss, aber schlecht fände ich es natürlich auch nicht.
  3. Gekoppelte Messcharakteristik – Komm’ schon Fujifilm, es wäre so einfach, die Möglichkeit zu bieten, den Messwertspeicher mit einer bestimmten Messart zu koppeln.
  4. Schnelle Formatierung – Bitte irgendeinen Shortcut entwerfen, damit man nicht ewig! durchs Menü scrollen muss oder sich die Finger bricht.
  5. Digitales Zoom für Raw+JPEG – Am liebsten so umgesetzt, dass das RAW dabei einfach unangetastet bleibt.
  6. Eine bessere Platzierung für den Q-Knopf  Links unter die Schaltwippe zum Beispiel.
  7. Ein Touchscreen – Aber auch nur, weil mir kein weiterer Punkt eingefallen ist… eigentlich ist mir das recht egal. 😉

Das war’s… hätte man sich auch fast sparen können, oder?

Eine Sache wäre da noch…

Fast zum Schluss möchte ich nun noch einmal das Thema mit dem Objektiv aufgreifen. Hier scheiden sich offenbar die Geister doch ziemlich extrem. Soweit ich das überblicke, waren und sind die meisten Besitzer der X100-Kameras sehr zufrieden mit dem Objektiv, mich eingeschlossen. Ich hatte nie etwas daran auszusetzen. Dass es im Nahbereich bei offener Blende recht weich zeichnet, ist bekannt. Sogar so bekannt, dass es – meiner Meinung nach ziemlich einmalig – selbst in der Bedienungsanleitung der Kameras ausdrücklich erwähnt wird. Offensichtlich war es wohl nicht anders zu konstruieren, zumindest nicht für normales Geld und die kompakten Ausmaße. Ich persönlich habe damit nie ein Problem gehabt und es manchmal sogar absichtlich eingesetzt. Ab Blende 2,8 oder 4 war eh alles wieder völlig gut. Und ja, das Objektiv ist wirklich ohne Probleme in der Lage, die Auflösung des neuen Sensors zu bedienen. Ich sehe hier also keine Probleme, von einem Showstopper mal ganz zu schweigen.

Fazit

Für mich ist die X100F ohnehin die schönste Kamera, die es auf den Markt gibt. Fujifilm es zudem verstanden, weder die Funktion dem Aussehen zu opfern noch sinnloses Zeug in diese Kamera zu verbauen. Bravo! Ein berühmter und leider zu früh gestorbener Visionär der IT-Branche hat einmal gesagt: “Design ist nicht nur, wie etwas aussieht. Design ist auch, wie etwas funktioniert.” Check!

Ganz am Anfang des Textes bezeichnete ich die X100F als ein fundamentales Update. Mir ist klar, dass dies nicht jeder so sehen wird. Ich stehe aber zu dieser Meinung. Die X100 war zunächst vor allem ein wundervolles Konzept. Die beiden Nachfolger haben dieses Konzept dann bereits zu sehr arbeitsfähigen Kameras weiterentwickelt. Mit der F ist Fujifilm nun endgültig der Schritt zu einem herausragenden Werkzeug gelungen, mit dem das Erzählen in Bildern einfach Spaß macht. Sie ist klein, unauffällig, schnell und dabei schlicht und ergreifend verdammt gut!

Die X100F wird es trotzdem nicht allen recht machen können. Das soll sie aber bitte auch gar nicht! Denn das, wofür diese Kamera steht, verkörpert sie in der aktuellen vierten Ausführung in einem sensationellen Maße, für meine Art der Fotografie sogar nahe der PerFektion. Oder anders ausgedrückt:

Let’s dance! It’s the sexiest camera alive! 🙂

P.S. Da wäre natürlich noch die Sache mit dem Preis. Ja, der tut schon etwas weh… aber zum Glück nur einmal. Und danach gilt: You get, what you pay for…

Update 26.02.17

Im Netz tauchen vereinzelt erste Beschwerden über ein bereits bekanntes Verhalten des EVF und des Displays auf: das Flackern. Dies passiert nach dem Scharfstellen, wenn man kein Foto gemacht hat und den Auslöser loslässt. Es hat mit dem Zusammenwirken des Autofokus (arbeitet immer bei Offenblende) mit dem Live View zu tun, wobei je nach Lichtsituation die Blendenlamellen wieder schrittweise geschlossen werden. Fujifilm hat dies halt in dieser Art umgesetzt und dieses Verhalten zeigen auch andere Kameras, wie die X-Pro2 oder die X-T2. Ich mag’s auch nicht, habe ausführlich hier darüber berichtet und hier sogar ein Video dazu hochgeladen. Ich vermute mal, dass es nie verschwinden wird, sich aber mit zukünftigen Firmware Updates weiter verringern lässt. Ich nehme es mittlerweile kaum noch wahr…

Es stimmt, dass dies nicht überragend gut gelöst ist, aber ich sehe auch wirklich kein Grund dazu, es als schwerwiegenden Fehler oder gar als einen Showstopper anzusehen. 😉

Update 04.03.17

Ein aufmerksamer Leser hat mich hier gestern darauf aufmerksam gemacht, dass ich einen kleinen Punkt vergessen hatte: Im Modus AF-C wird bei Auto-ISO der jeweils aktuell verwendete Wert nicht angezeigt. Das ist richtig, fiel mir aber nicht auf, weil ich wirklich absolut nie AF-C nutze. Daher konnte ich auch kein Wort zum Autofokus in diesem Modus sagen. Grundsätzlich ist dieser kleine “Fehler” zumindest konsistent mit dem Verhalten anderer X-Kameras, wie der X-T2 oder X-Pro2. Auch dort ist das so. Bei der X-T2 hat man zusätzlich die Möglichkeit, die zwangsweise Speicherung des Messwertes bei halbgedrücktem Auslöser in AF-S zu deaktivieren. In diesem Fall ist dies dann leider auch der Fall (zumindest ab FW 1.10, vorher wurden die Zeiten nicht angezeigt).

Über diese letztgenannten Punkte habe ich mich in dem betreffenden Review ausführlich geäußert und dies auch an den Support gemeldet. Ich bin sicher, dass dies mit einem der nächsten Firmware Updates dies behoben sein wird.

Update 24.03.17

Nach gut einem Monat der Nutzung – wenn auch leider zeitbedingt noch immer nicht so intensiv wie gewünscht – möchte ich noch einmal kurz auf drei Punkte eingehen:

  1. Der Akku – Ich habe keine Ahnung, wie viele Bilder mehr in einem genormten Testverfahren möglich wären. Tatsache ist jedoch, dass ich mit meiner Art der Nutzung eine deutliche Verbesserung gegenüber den Vorgängermodellen und auch gegenüber dem Duo X-Pro2/X-T2 wahrnehme. Letzteres verstehe ich allerdings nicht wirklich, zumindest nicht für die X-Pro2. Wieviel besser kann ich nicht genau sagen, der Bauch sagt aber vielleicht so 20%.
  2. Die ISO-Einstellung am vorderen Einstellrad – Dieser Punkt beeindruckt mich weniger wegen der Einstellmöglichkeit der ISO an sich – ich stelle diese praktisch nie manuell ein. Was sich aber als äußerst nützlich erwiesen hat, ist die damit verbundene Auswahl der drei Einstellungen für die ISO-Automatik. Das wiederum nutze ich ständig.
  3.  Der Autofokus – Ich möchte hier noch einmal sehr klar meine persönliche Meinung ausdrücken: Der AF ist super! Und dies – was mich besonders freut – endlich auch unter extrem schlechten Lichtverhältnissen. Das ist ein richtiger Schritt nach vorne.

Ich kann es kaum noch erwarten, diese Kamera für mein Fotoprojekt und meine Reise durch Europa zu nutzen, welche ich in einigen Wochen von heute an starten werde. Ich bin mir sicher, dass sie mich nicht enttäuschen wird.

  • Dragan

    Ein toller Blogpost mit klasse Fotos und auch sehr unterhaltsam zu lesen.
    Du hast mich dazu gebracht soeben meine X100s zu inserieren und mir nächste Woche die x100f zu holen. Vielleicht ist es auch nur eine Ausrede für mich selbst. Die technischen Neuerungen, das analoge Menü zu meiner X-Pro2 und auch der Umstand das ich die Kamera endlich in schwarz haben kann, lassen einfach keine andere Entscheidung zu 😉

  • admin (author)

    Hi Dragan,

    Mist, ich habe meine noch nicht verkauft. Hoffentlich gehen jetzt nicht die Preise in den Keller 😉

    Vg
    Peter

  • Marco W.

    Hi , hier ein Tipp für die Formatierung.
    Löschen Taste 2 sec. gedrückt halten, dann hinteres Scroll Rad drücken, Voila.
    Gruß Marco

  • admin (author)

    Hallo Marco,

    vielen Dank, aber das kenne ich… finde es nur umständlich und “übertrieben sicher”. Man braucht zwei Hände und weiß nie, wann man das Rad bereits drücken kann. Drückt man es zu früh, poppt die Vergrößerung im Display auf. Warum nicht einfacher? Zwei Sekunden den Mülleimer drücken und dann geht das Menü zu Formatieren auf. Wenn man dann noch drei Sekunden oder so Zeit hätte, um die Formatierung zu wählen und zu bestätigen, wäre das doch OK. Macht man es nicht, geht das Formatmenü wieder zu. Einfach, mit einem Daumen machbar und trotzdem wirklich sicher. Keine Fototasche der Welt wird dieser Kombination so von sich aus machen… 😉

    Grüße,
    Peter

    P.S. Ich weiß, ich bin ein Kauz, was sowas angeht… aber ich kapiere einfach manchmal nicht die Gedankengänge von Ingenieuren 🙂

  • alexklotz

    Hallo,
    Danke für die ausführliche Stellungsnahme und konstruktive Analyse.
    Zu der Wunschliste hätte ich ergänzt: ein (Aufschraub)Tele-KOnverter, um die Brennweite 70 oder 90 mm zu bekommen. Zusammen mit dem Zentralverschluss wäre es top!

    Gruss.

  • admin (author)

    Hallo Alex!
    Interessant, so hat jeder seine speziellen Wünsche. Ich persönlich finde schon den existierenden TCL so groß, dass ich ihn mir nie angeschafft habe… 😉
    Vg
    Peter

  • Dir

    Hallo,
    danke für diesen tollen Artikel genau sowas habe ich im Netz gesucht, aber eine Frage habe ich noch, falls ich es nicht zufällig überlesen habe 😉
    Können die älteren Weitwinkel- und Telekonverter an der X100F verwendet werden und wie bei der T manuell ausgewählt werden oder arbeitet die F nur mit den neuen Konvertern?

    Danke Dir schon mal für Deine Antwort und ich wünsche schon mal ein schönes Wochenende!
    VG,
    Dirk

  • admin (author)

    Hallo Dirk,

    danke auch Dir. Und ja, können sie natürlich… es gibt nach wie vor die manuelle Umstellung. Die neueren werden nur Aufgrund von irgendwelchen Magneten automatisch erkannt, was ja nett ist.

    Vg,
    Peter

  • Klaus

    Danke für den tollen Blogpost. Kann ich nur zustimmen.
    Zum Glück läuft meine geliebte X100S schon am Montag im e-Auktionshaus aus. Nach dem Bericht gibt es bestimmt Lieferschwierigkeiten mit der F und der Preis von S geht in den Keller 😉 Was die Kamera nicht verdient hat und ich jedem fuji Einsteiger ans Herz legen kann.
    Grüße Klaus

  • Daniel

    Ein wundervoller Bericht, ja fast schon eine homage an die X100F den ich so voll und ganz unterschreibe.
    Selber hatte ich ausnahmslos alle X100 Kameras und war von der X100 und der X100T absolut begeistert. Meine X100S war leider ein Montagsmodell welches immer wieder Probleme mit dem AF hatte. Dies konnte auch nie wirklich gelöst werden. Trotzdem habe ich mir bei erscheinen die X100T gekauft und damit meine besten Bilder gemacht.
    Mittlerweile habe ich mir die X100F gegönnt und habe auch nur noch diese Kamera. So begeistert bin ich von ihr.
    Das Flackern des Displays das ja durch die Blende verursacht wird nehme ich selber auch gar nicht mehr war.
    Die X100F ist auch meiner Meinung nach eines der besten Werkzeuge um den Alltag oder auch Reisen zu dokumentieren.

    Nochmals, ein toller blogpost der meine Meinung genau widerspiegelt.

    Beste Grüße
    Daniel

  • admin (author)

    Hallo Klaus,

    vielen Dank und ich hoffe, die Preise fallen nicht ins Bodenlose 😉

    Vg
    Peter

  • admin (author)

    Hallo Daniel,

    vielen Dank auch an Dich. Ich bin selbst mal gespannt, was mir am Ende mehr am Herzen liegen wird… mittlerweile finde ich die X-Pro2 täglich besser und besser. Bald bin ich vier Monate lang mit beiden unterwegs, dann werden wir sehen 😉 Aber im Prinzip egal, die Kamera ist einfach toll und macht Spaß.

    Vg
    Peter

  • Bensch

    Super Review . Vielen Dank dafür. Ich habe alle x100 bis jetzt gehabt und war mit allen soweit zufrieden. Letztes Jahr habe ich im Privaten Bereich 3 Hochzeiten mit der X100T samt WCL X100 begleitet. Ich würde sagen das waren in meiner 13 jährigen Fotografie Phase meine besten Bilder. Was mich jedoch immer etwas an der X100t gestört hat waren die 16MP Auflösung und das Rauschverhalten bei High Iso, und der AF bei schwachem Licht. Das dürfte nun Geschichte sein. Für mich war und ist diese Kamera ein No Brainer und die beste Kamera fürs Geld. Wenn man die Größe und Leistung(Bildqualität) vergleicht wird man schnell merken das diese Kamera einzigartig auf dem Markt ist. Lieber greife ich zur X100F als zur Canon 6D samt 35mm F2 IS. die Größe machts 🙂

  • Frank

    Über möglicherweise fallende Gebrauchtpreise für die X100T (tun sie nicht, die X100 ist erstaunlich wertstabil!) muss ich mir keine Gedanken machen: Ich behalte einfach meine schwarze X100T und verwende sie weiter zusammen mit der neuen silbernen X100F. Ja, es gibt wirklich genügend Motive, um sie mit zwei X100 abzubilden 😉
    Auch muss ich meine hochgeschätzten Weitwinkel- und Telekonverter dann nicht mehr so häufig wechseln. Bin mal gespannt, wie gut die 70-mm-Ergebnisse an der X100F ausfallen, wenn ich den Telekonverter zusammen mit Stufe 1 des digitalen Telekonverters verwende. Wäre schon klasse, wenn man aus der mit voller Absicht gekauften 35-mm-Festbrennweiten-Kompakten bei Bedarf – und qualitativ sehr gut – eine kleine Systemkamera mit den Brennweiten 28 mm, 35 mm, 50 mm und zusätzlich 70 mm machen könnte. Von der Option 90 mm erwarte ich mir qualitativ nicht allzu viel, aber auch da lasse ich mich überraschen.

  • admin (author)

    Hallo Frank,

    dann viel Spaß mit den beiden… ?

    Vg,
    Peter

  • Pingback: Peter Poete: Liebeserklärung an die Fuji X100F

  • Herbert Frohn

    Toller Bericht – vielen Dank.
    Ich setze die 100T sehr gerne neben meinen Systemkameras ein.
    Alle haben ihre Berechtigung und interessante Einsatzgebiete.
    Mal schauen, ob und wann ich mir das Update zur 100F gönne.
    LG aus Duisdorf
    Herbert

  • Peter (author)

    Hallo Herbert,

    vielen Dank! Und viel Spaß mit der T weiterhin…

    Peter

  • Wanderlust Weddingphotography

    Sehr toller review über diese wunderschöne Kamera Peter. Ich überlege gerade ob ich sie mir noch neben meinen 2 X-Pro 2 hole für Hochzeiten und für kürzere Reisen in nicht so feuchte Gebiete. Dann müsste ich eigentlich gar keine Objektive mehr wechseln. Mh, jetzt hast du mich heiß gemacht und ich werde die Kamera zumindest in den kommenden Tagen begrabbeln müssen. Ist der Sucher wirklich merkbar größer als von der X-Pro?

    Danke für die Arbeit und beste Grüße aus Berlin.
    Alex

  • Peter (author)

    Hallo Alex,

    vielen Dank! Was die Reise in feuchte Gebiete angeht, habe ich mich ja positioniert… aber ich bin auch keine Naturfotograf, der im Dauerregen im Dschungel fotografiert. Und der Sucher ist tatsächlich merklich größer als bei der X-Pro2. Wobei ich allerdings auch nicht verschweigen will, dass ich Stand heute trotzdem die X-Pro2 ergonomischer finde. Ich bin mal gespannt, wie es die nächsten vier Monate unterwegs aussieht und was ich dann darüber denke…

    Vg,
    Peter

  • Klaus

    Hi, hier ein komfortabler Bedienungstip zur Nutzung des 50 + 70 mm Modus in Jpeg.
    Ich nutze im allgemeinen RAW+Jpeg Fine. Die Umschaltung auf Jpeg Fine zur Nutzung der 50 + 70 mm ist umständlich – es sei denn:
    Programmiert man Jpeg Fine auf die FN Taste des OFV/EFV Hebels, kann man mit dem Fokusring die Brennweite wählen. Und das Beste ist – nach der Aufnahme geht die Einstellung automatisch zurück auf RAW + Jpeg Fine.
    Für mehrere Aufnahmen im Jpeg Fine Modus bleibt immer noch das Q Menü.

    Gruß Klaus

  • Chris

    Danke dir! Sehr hilfreiches “Review”!

  • Peter (author)

    Freut mich 😉

    Peter

  • Frank

    Ich habe zwei Wohnsitze – einen Arbeitswohnsitz unter der Woche und den Hauptwohnsitz mit Familie am Wochenende. Unter der Woche benutze ich meine zwei Jahre alte schwarze X100T mit schwarzem Tele- und WW-Konverter. (Ich liebe diese qualitativ hochwertigen Dinger, weil sie aus der genialen Festbrennweitenkompakten eine kleine Systemkamera machen!!! Diese Konverter werden IMO kräftig unterschätzt. Sie sind ruckzuck montiert und erweitern das Aufnahmespektrum erheblich.) Am Wochenende greife ich zur silberfarbenen X100F. Na, und dafür habe ich mir den ästhetischen Luxus gegönnt, für ausgesprochen kleines Geld in Ebay einen gebrauchten silberfarbenen Tele- und einen WW-Konverter (nicht die Version mit den Magneten) im Neuzustand zu schießen. So sehr ich die Vorteile der X100F schätze und natürlich auch aus eigener Erfahrung bestätigen kann – ich greife kein Stück weniger gern zur “alten” X100T. Nein, ich sehe absolut keinen Grund, mich von diesem Schnuckelchen zu trennen, dazu ist die T einfach zu gut. 🙂

  • Fk

    Hallo! Wie lässt sich denn am besten die Frontlinse des Objektivs schützen? Finde nur recht kostspielige Varianten mit Adapter.

  • Peter (author)

    Hallo,

    es gibt Leute, die diese Adapter und dann einen Schutzfilter nehmen. Aber ganz ehrlich: Der beste Schutz ist die sehr gute Gegenlichtblende (die von JJC zum Beispiel passt auch super und ist deutlich preiswerter). Das reicht meiner Meinung nach völlig aus. Wenn Sie bei heftigem Sturm auf einem Schiff fotografieren wollen oder in einem Sandsturm in der Sahara, dann geht das halt nicht unbedingt so gut… aber sonst schon. 🙂

    Grüße,
    Peter

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