Mancher Weg geht mal zu Ende… und bei mir ist es der Weg mit zwei unterschiedlichen Systemen. Der Weg dahin war recht lang und schwer gefallen ist mir die Entscheidung letztendlich auch noch. Aber es hatte sich dann doch bereits angedeutet, trotz der anfänglichen kleinen Reibereien mit der X-Pro2 und der dann allmählichen Annäherung an diese Kamera. Meine Tage mit dem Olympus-System sind gezählt. Nicht, weil die Geräte schlecht wären – weit entfernt davon! Die E-M5 MK II ist als Kamera in manchen Aspekten für mich nach wie vor ungeschlagen und die kleinen tollen Optiken sind auch ein Traum, vor allem unterwegs. Da allerdings das (für mich) Bessere der Feind des Guten ist, kommt nach dem ersten Schritt – dem Verkauf einiger m43-Objektive – die Auflösung der ganzen m43-Ausrüstung.

Tschüss, liebe Oly, Du hast mir wirklich extrem viel Freude bereitet und nicht wenige meiner liebsten Bilder sind mit Dir (oder Deiner Vorgängerin) entstanden…

Warum also der endgültige Wechsel?

Der Entscheidung vor gut vier Jahren hin zur Olympus war begründet als Ersatz für die DSLR. Die Technik war einfach so gut geworden, dass ich keine Rechtfertigung mehr für Größe und Gewicht einer DSLR-Ausrüstung fand und neben der Fujifilm X-100(s) eine kleine m43-Ausrüstung mit vier lichtstarken Festbrennweiten gewählt habe. Der schon etwas sichtbare Qualitätsverlust von FF zu m43 wurde für mich dabei zum einen wettgemacht durch das Akzeptieren des Kompromisses, zum anderen aber auch durch eine intelligente Kompensation in manchen Bereichen, zum Beispiel dem IBIS der Olympus. Ein Wechsel zu Fujifilm X wäre damals – trotz mehrfacher Zuckungen dahingehend – aufgrund mir fehlender wichtiger Objektive sowie einiger für mich nicht akzeptabler Unzulänglichkeiten der vorhandenen Objektive und Kameras einfach nicht in Frage gekommen. Sorry, aber da war Olympus mit den OM-Ds einfach erheblich weiter. 2015 und 2016 haben das Spiel aber verändert, sowohl was die Objektive angeht als auch die Kameras. Ich würde sagen, Fujifilm ist erwachsen geworden. So erwachsen, dass ich trotz kleinerer Bauchschmerzen komplett auf diese Karte setze. Damit gewinne ich genug an technischer Bildqualität und – fast wichtiger – erspare mir das Hantieren mit zwei Formaten und zwei Workflows. Letzteres ist dabei ein wirklich großer Gewinn.

Was die Objektive angeht würde ich mir sehr wünschen, dass Fujifilm in den nächsten Jahren weiterhin so konsequent den aktuell eingeschlagenen Weg beschreitet und weitere Gewinner, wie das XF35F2 oder das XF16, rausbringt. Und hoffentlich auch irgendwann einige interessante Brennweiten neu auflegt… aber dazu demnächst mehr in den entsprechenden Artikeln zu weiteren Objektiven. Bei den Kameras (X-Pro2 und X-T2) sehe ich ehrlich gesagt kaum mehr Luft nach oben – abgesehen von der einzigen, wirklich eklatanten Schwachstelle: keine Bildstabilisierung. Aber das wird wohl leider so bleiben. Nachdem ich mich mit ihr angefreundet habe, halte ich die X-Pro2 für die Sexiest Camera Alive. PunktUnd die X-T2?

Das erwartete Allroundtalent – die Fujifilm X-T2

Die Frage, ob die X-T2 dabei eine bessere Kamera ist als die X-Pro2, stellt sich mir eigentlich nicht. Objektiv betrachtet ist das sicherlich der Fall, subjektiv betrachtet für mich jedoch nicht. Sie wird nie die “Seele” und “Persönlichkeit” einer X-Pro2 (oder X-100) besitzen. Das mögen manche für albern oder blöd halten, ich stehe aber voll dazu. Das liegt am Formfaktor, an der Art der Kamera und vielen kleinen Dingen. Die X-T2 ist einfach eine ganz andere Kamera. Das Gute daran ist aber das Gute daran: sie soll auch anders sein und das ist ein Teil des Grundes für meine Entscheidung! Diese Kamera würde meinen persönlichen Bedürfnissen nach einem Ersatz für eine DSLR absolut gerecht werden. Ergonomisch, schnell, flexibel, variabel und saugut… eine eierlegende Wollmilchsau und dabei auch trotzdem der Wolf im Schafspelz. Erstaunlich klein und leicht, aber insgesamt betrachtet perfekter als alles, was ich bisher an Kamera in den Händen gehalten habe. Die Veränderungen gegenüber der X-T1 sind manchmal subtil, manchmal recht dramatisch. Alles in allem ist diese Evolution dann doch eine Revolution, weil einfach fast alles jetzt stimmt. Von der sensationellen Haptik und Lage der Tasten (Update: alles ist da doch nicht so perfekt, siehe hier), über den doppelten Kartenschacht und den riesigen Sucher bis hin zum schon von der X-Pro2 bekannten Sensor mit seiner wirklich überragend guten Bildqualität ist praktisch alles einfach nur gut. Was die Kamera vielleicht an Sexappeal nicht hat, macht sie mit sturer Perfektion wieder etwas wett.

Ein paar kleine Macken und Fehler habe ich zwar schon gefunden, aber das führt in der ersten Betrachtung einfach zu weit. Man kann nicht das Gute durch das Bessere ersetzen und im gleichen Atemzug schon… das kommt dann das nächste Mal. Für heute gilt einfach: Chapeau!

 

 

  • Guenter

    Perfekt zusammengefasst !
    Ich bin vor etwa 4 Jahren weg von den DSLRs, hin zum kleinen, leichten, guten MFT-System (Pana und Oly mitsamt mehr als ein Dutzend Objektiven). Eine sehr gute Entscheidung, die in den letzten Jahren die Arbeit wesentlich leichter (im wahrsten Sinne des Wortes) gemacht hat. Der Verlust an Bildqualität gegenüber Kleinbild war erkennbar, aber durch lichtstarke Optiken und den Stabi in vielen Fällen vernachlässigbar. Trotzdem juckte es immer in den Fingern, den bekannten “Schnaps” mehr an Bildqualität im High-ISO-Bereich zurückzugewinnen. Nur…. da gab es nichts im Markt, das kompakt leicht bei gleichzeitig hoher Bildqualität war. Nicht Sony und auch nicht die X-Pro 1 oder XT-1, die mir beide in der bildqualitativen Leistung und vor allem mit Blick auf den AF nicht gefielen.
    Die XT-2 hat das alles komplett gedreht, ist unglaublich universell, unglaublich gut und technisch auf einem Höchststand. Vergangene Wocher erstmals skeptisch angefasst und innerhalb einer Stunde wandelten sich die Zweifel in Begeisterung.
    Tolle Kamera, die ganz offensichtlich in der Lage ist, die -zugegebenermassen nur kleinen, aber für mich entscheidenden- Unzulänglichkeiten von MFT ad acta zu legen.
    Seit gestern ist die zweite XT-2 bei mir zusammen mit dem 1,4/35, dem 2,8/16-55, dem 18-55 als leichtem Reiseobjektiv und dem 2,8/50-140, weitere Optiken folgen.
    Die Kamera macht Spaß, die Ergebnisse sind ohne jedes Bauchgrummeln bis 6400 ISO excellent verwendbar, selbst 12800 lässt sich unter einigermassen vernünftigen Licht-Voraussetzungen noch verkaufen, der AF ist sowohl bei AF-S, wie auch AF-C pfeilschnell, die Bedienbarkeit ist super (mein Hang zur analogen Kamera darf da voll ausgespielt werden), das Klapp-Display genial gelöst. Es stimmt bisher wirklich rundum alles, ohne Wenn und Aber.
    Ich freue mich, dass ich jetzt wieder ohne jedes mulmige Gefühl zu Eventjobs gehen kann, bei denen ich im Vorfeld nicht weiss, was mich lichttechnisch erwartet, keine Bedenken mehr haben muss, ob meine Kamera das leistet, was aktuell benötigt wird. Die XT-2 gibt eine irre, unschätzbar wichtige Sicherheit zurück.
    Fazit: Auch bei mir steht ein Komplettumstieg an.

  • Pingback: Die endgültige Entscheidung – Fuji X-T2 | Peter Poete

  • admin (author)

    Hallo Guenter, das war ja ein eigenes Review 😉
    Ich versuche, meine Euphorie etwas im Zaum zu halten. Wie gesagt, ich halte das m43-System von Olympus auch für unglaublich gut. Diese jetzige Entscheidung für Fuji ist vor allem der X-Pro2 sowie dem 35er und dem 16er geschuldet. Die X-T2 war nur noch die Bestätigung für das System insgesamt 😉
    Lg Peter

  • Guenter

    Hallo Peter,
    ich kann mich nicht erinnern, in den letzten Jahren jemals eine solche Begeisterung für ein Arbeitsgerät empfunden zu haben wie für die XT-2.
    Die Kamera vermittelt sowohl von den technischen Features, wie aber auch von der Fertigungsqualität/dem Anfassgefühl den Eindruck, praktisch alles, was ich benötige, zu können/zu liefern.
    Schnelle Action? Kein Problem
    Low-Light? Kein Problem
    AF? Passt ohne jede Frage und -mirrorless-üblich- ohne Front- oder Backfocus
    Wetterfestigkeit? Gegeben
    Bedienbarkeit? Hervorragend
    Ich habe nach den ersten Tagen nichts entdeckt, wo ich eine Limitierung bei der Arbeit berücksichtigen bzw. einplanen müsste.
    Jetzt noch ein paar Festbrennweiten mit OIS von Fuji und die Welt würde noch runder…

  • admin (author)

    Hallo Guenter,

    diese Begeisterung empfinde ich eher für die X-Pro2 😉
    Aber ich veröffentliche bald noch meine wirkliche Meinung über die X-T2…

    Vg Peter

  • Guenter

    “Wirkliche Meinung”?
    War denn die bisherige Darstellung nicht korrekt?
    VG
    Günter

  • admin (author)

    Ich korrigiere: ausführliche Meinung 😉

  • Pingback: Fuji X – Zwei Seiten einer Medaille – Peter Poete Photography

  • Matthias

    Back to the roots

    Danke für all eure guten Gedanken.
    Nein einen Komplettumstieg habe ich nicht vollzogen. Noch ist die Nikon D750 und D800 in vielen Belangen für mich immer noch state of the art.
    Aber die xpro 2 hat mich wieder in die analoge Zeit zurück gebracht, als ich zur F2 und F3 eine Leica Cl mit 40 und 90 mm Objektiv genutzt habe. Die xpro 2 ist zu meiner neuen Cl (oder der M, die mir immer zu teuer war) geworden. Ich benutze sie mit den Objektiven 1,4/23, 2/35 und dem Macro 2,4/60.
    Für mehr Weitwinkel und mehr Tele ist nach wie vor die Nikon da.
    Die Gedanken zum 24mm (16mmFuji) haben mich inspiriert mal wieder mit meinem alten Ais 2,8/24 loszuziehen. Dennoch, mein ww Favorit (neben dem 35er) ist das manuelle Ais 3,5/20 (52 Filtergewinde), es ist sozusagen mein “24er”.

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